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Come in Contract


Projekt P – misch dich ein

Eine Kampagne von BMFSFJ, bpb und DBJR

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

 

Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten in eigener Sache und haben das Recht, sich bei der Gestaltung ihrer Lebenswelt einzumischen und zu beteiligen. Kinder und Jugendliche zu beteiligen heißt, ihnen die Möglichkeit einzuräumen, mit ihren Bedürfnissen, Interessen, Hoffnungen, Ängsten und Problemen Planungs- und Entscheidungsprozesse im unmittelbaren Lebensumfeld und auf allen politischen Ebenen zu beeinflussen. Es heißt aber auch, sie in die Pflicht und Verantwortung zu nehmen.

 

Dies stellt die Politik vor die Herausforderung, Partizipation in der Politik zu stärken und die notwendigen strukturellen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die einschlägigen Jugendstudien der letzten Jahre zeigen, dass diese Voraussetzungen in Deutschland nicht ausreichend gegeben sind und dies bei den Jugendlichen zu Strukturverdrossenheit führt. Die Studien belegen aber auch die große Bereitschaft von Jugendlichen zu projekt-bezogenem Engagement und eine große Zustimmung zur Demokratie.

 

Hier setzt die Kampagne „Projekt P – misch dich ein“ an. Sie will sowohl junge Menschen als auch Erwachsene mobilisieren, bestehende Beteiligungsformen stärken und für neue Formen von Beteiligung werben. Der Schwerpunkt liegt bei den Jugendlichen.

 

Projekt P – misch dich ein

 

„Projekt P - misch dich ein“ ist eine bundesweite Kampagne. P steht für Politik und Partizipation.

 

„Projekt P - misch dich ein“ will den Dialog zwischen Jugend und Politik intensivieren und die Beteiligung auf allen politischen Ebenen stärken.

 

„Projekt P – misch dich ein“ richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Ihr Interesse an politischen Themen und politischen Gestaltungsprozessen soll geweckt werden. In Projekt P können Kinder und Jugendliche bestehende Formen von Beteiligung an Politik und politischen Entscheidungen nutzen und neue Partizipationsformen entwickeln und erproben. Jugendnetzwerke bzw. Projekte im direkten Lebensumfeld der Jugendlichen werden gefördert.

 

„Projekt P - misch dich ein“ richtet sich auch an Erwachsene und will die Aufmerksamkeit und das Verständnis Erwachsener für die Lebenssituation und die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärken. Entscheidungsträgerinnen/ Entscheidungsträger sollen bestehende Formen der Beteiligung an Politik und politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen nutzen und neue Partizipationsformen entwickeln und erproben.

 

„Projekt P - misch dich ein“ setzt sich aus einer Reihe von Kampagnenbausteinen für Jugendliche und/ oder Erwachsene zusammen, aus Informationsangeboten, Coachings, Events oder vielfältigen Einzelprojekten im direkten Lebensumfeld junger Menschen.

 

„Projekt P – misch dich ein“ wird unter anderem realisiert in Kommunen, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Jugendverbänden und auf der bundespolitischen Ebene.

 

„Projekt P – misch dich ein“ sieht vor, Jugendliche in Konzeption, Planung und Projektrealisierung einzubeziehen.

 

Laufzeit

 

Laufzeit der Kampagne ist Frühjahr 2004 bis Dezember 2005.

 

Ziele

 

Leitziele:

·         Die Kampagne will die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungsprozessen stärken.

·         Die Kampagne will dazu beitragen, dass vorhandene Beteiligungsstrukturen konsequent genutzt und weitere notwendige Strukturen für eine solche Beteiligung aufgebaut werden.

 

Projekt P will

·         über existierende politiknahe Beteiligungsmöglichkeiten informieren,

·         junge Menschen wie Erwachsene mobilisieren,

·         Partizipation durch jugendspezifische Vermittlungsformen aktivieren,

·         neue Beteiligungsformen bzw. Möglichkeiten verbindlicher Einflussnahme von Jugendlichen auf Planungs- und Entscheidungsprozesse entwickeln, erproben und etablieren,

·         innovative und zukunftsorientierte politische und gesellschaftliche Kinder- und Jugendinitiativen aufsuchen, unterstützen und vernetzen,

·         selbstorganisierte Formen der politischen Willensbildung und Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen stärken,

·         junge Menschen, Politikerinnen/ Politiker und Meinungsführerinnen/ Meinungsführer qualifizieren,

·         neue Kommunikationsformen zwischen Jugend und Politik und zentralen Gesellschaftsbereichen (Wirtschaft, Medien, Sport etc.) entwickeln.

 

Zielgruppen

 

1.      Vor allem Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Projekt P will Kinder und Jugendliche unterschiedlicher kultureller und sozialer Milieus ansprechen. Dabei wird nach Altersgruppen, Schultypen, sozialen Milieus, Geschlecht oder dem Grad des politischen Interesses differenziert. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund werden gezielt angesprochen.

2.      Erwachsene: Politische Entscheidungsträgerinnen/Entscheidungsträger, Fachkräfte aus verschiedenen Berufssparten (Schule, Jugendarbeit, Jugendhilfe, Stadt-, Bau- und Verkehrsplanung, Verwaltung u.a.) und zentrale Meinungsführerinnen/ Meinungsführer aus Wirtschaft, Gesellschaft, Medien, Sport und Entertainment.

 

Aktionsbündnis

 

Projekt P wird getragen durch ein Aktionsbündnis verschiedener Partner mit unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten.

 

1.      Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist Initiator des Aktionsbündnisses. Mit Projekt P setzt die Bundesregierung einen jugendpolitischen Schwerpunkt in der 15. Legislaturperiode.

 

2.      Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erprobt und etabliert seit Jahren neue Methoden der überparteilichen Heranführung von Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, an politische Themen. Sie kann erprobte Zugänge zu Schülerinnen und Schülern nutzen und gewährleistet, dass sowohl Jugendliche aller Altersgruppen als auch zentrale Fachkräfte erreicht werden.

 

3.      Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) ist mit seinen 44 Mitgliedsorganisationen und  ca. 5,5 Millionen Kindern und Jugendlichen ein Garant für Partizipation im Bereich der organisierten Jugendverbandsarbeit. Er stellt Beteiligung auf allen Ebenen sicher – von der Orts- bis auf die Bundesebene.

 

Gestaltungsgrundsätze

 

Partizipation bedeutet die dauerhafte Aktivierung und Qualifizierung Jugendlicher zur öffentlichen Artikulation ihrer Interessen. Probleme und Anliegen aus ihrer Lebenswelt sollen als politische Agenda konkret formuliert werden. Politisches Engagement Jugendlicher soll verbindlich gemacht, ihr Verantwortungs- und Risikobewusstsein für politische Entscheidungsprozesse geschärft werden.

 

1.      Einmischen: Kinder und Jugendliche sollen Projekt P mit- bzw. nach ihren eigenen Schwerpunkten gestalten.

 

2.      Auf einer Augenhöhe sprechen: Jugendliche und Erwachsene müssen auf einer Augenhöhe miteinander sprechen. Um Chancengleichheit zu erreichen, bietet die Kampagne für alle Zielgruppen Möglichkeiten, sich zu informieren und zu qualifizieren.

 

3.      Dialog und Auseinandersetzung: Damit die Ideen der Jugendlichen nicht verpuffen, bietet Projekt P Plattformen zur wirklichen Auseinandersetzung von Erwachsenen und Jugendlichen.

 

4.      Erst lokal, dann bundesweit dabei sein: Jugendliche sind in erster Linie von Entscheidungen in ihrem unmittelbaren Umfeld betroffen. Ihr Engagement muss dementsprechend auf lokaler Ebene unterstützt werden. Die Kampagne nimmt jedoch gleichzeitig die Implementierung nachhaltiger Beteiligungsprozesse und -strukturen auf Landes- bzw. Bundesebene in den Blick. So folgt sie dem Prinzip der Subsidiarität.

 

5.      Ein Baustein für jede und jeden: Entsprechend ihrer vielfältigen Zielsetzungen und der notwendigen Zielgruppenorientierung ist die Kampagne modular aufgebaut.

 

6.      Transparenz und Offenheit: Es findet ein kontinuierliches Benchmarking statt.

 

7.      Expertinnen und Experten in eigener Sache: Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Planung und Durchführung der Kampagnenbausteine wird von Anfang an gewährleistet und in neuen Formen erprobt.

 

8.      Genderspezifisches Vorgehen: Die Kampagne folgt einer genderspezifischen Herangehensweise bei der Konzeption und Durchführung.

 

Thematische Schwerpunkte

 

Die Beteiligungsprojekte und –initiativen werden unter thematischen Schwerpunkten gebündelt. Ausgangspunkt und inhaltlicher Rahmengeber sind die Themenfelder des Nationalen Aktionsplans für eine kindergerechte Welt: Chancengleichheit in der Bildung, Aufwachsen ohne Gewalt, Förderung eines gesunden Lebens und Schaffung von gesunden Umweltbedingungen, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Entwicklung eines angemessenen Lebensstandards für alle Kinder, Internationales. Zusätzlich können Themenfelder durch Vorschläge der Kinder und Jugendlichen ergänzt werden.

 

Kampagnenmodule

 

Projekt P besteht aus drei zentralen Modulen, die je nach Wissensstand der Zielgruppe nebeneinander stehen oder aber aufeinander aufbauen. Pro Baustein findet eine inhaltlich eng verknüpfte Veranstaltung statt, auf der Zwischenergebnisse präsentiert werden.

 

1.      Modul 1 „Informieren und Qualifizieren“ vermittelt den Jugendlichen ein Grundverständnis davon, wie Politik funktioniert. Aufbauend auf ihrem aktuellen Wissenstand werden politisches Sachwissen, nützliche Qualifikationen und Informationen über bestehende Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren, vermittelt. Auf diese Weise werden die Jugendlichen unterstützt, selber sprachfähig zu werden und Politik zu machen. Jugendliche, die das bereits sind, agieren als Multiplikatoren/ Multiplikatorinnen.

 

In Modul 1 bilden informative Projekte den Schwerpunkt. Die Internetseite bildet das Zentrum der Aktivitäten. Eine Datenbank ermöglicht es Jugendlichen, beteiligungsrelevantes, qualifizierendes Wissen aufzubauen und eigenständig Seminare etc. zu belegen. Arbeits- und Pressematerialien unterstützen Initiativen, auf lokaler Ebene mit Entscheidungsträgerinnen/ Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten.

 

2.      Modul 2 „Einmischen“ baut auf dem Wissenstand aus Modul 1 auf und appelliert an die Eigeninitiative von Jugendlichen. Ansätze, sich im direkten Umfeld einzubringen, werden aufgezeigt und gefördert.

 

3.      Modul 3 steht unter dem Motto „Auf eigenen Beinen stehen“. Eine impulsgebende Abschlußveranstaltung vernetzt die Jugendlichen und ihre Initiativen und bündelt die Projektergebnisse. Die Ergebnisse, die Jugendliche in Zusammenarbeit mit den politischen und sonstigen Entscheidungsträgerinnen/ Entscheidungsträgern erreicht und umgesetzt haben, werden sichtbar gemacht. Die Ergebnisse verdeutlichen, an welchen Stellen Jugendliche in Entscheidungsprozesse einbezogen werden möchten, damit Politik glaubwürdig ist und auf ihr Interesse stößt.

 

 

Projektbeispiele

 

Um die Kampagnenziele Heranführen, Etablieren und Vernetzen zu erreichen, werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Rahmen der drei Module durch Projekte direkt angesprochen. Projektbeispiele:

 

1.      Neue Beteiligungsplattformen

 

·         Mit dem Nationalen Aktionsplan für eine kindergerechte Welt (NAP)[1] verpflichtet sich die Bundesregierung zu konkreten Handlungsschritten für ein kinder- und jugendfreundliches Deutschland. Diese Regierungsvorschläge werden im Rahmen von „Projekt P - misch dich ein“ für die Beteiligung von Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Kinder und Jugendliche können konkrete Vorschläge entwickeln, die auf der politischen Bühne diskutiert und ins Kabinett eingebracht werden. Die Kampagne ist so Plattform eines politischen Beteiligungsprojektes auf Bundesebene.

 

·         Come in Contract – Kinder und Jugendliche sind oder werden motiviert, eigene auf ihr Lebensumfeld bezogene Wünsche bzw. Forderungen zu formulieren. Sie stecken sich Ziele und setzen diese um. Als ein zentrales Ergebnis schließen sie mit Entscheidungsträgerinnen/ Entscheidungsträgern aus den Kommunen, Wahlkreisen, Institutionen usw. Verträge („contracts“) ab. So werden Verbindlichkeiten auf beiden Seiten erwirkt, die eine Möglichkeit der gelebten und für die Jugendlichen direkt spürbaren Demokratie darstellen kann.

 

·         Dem Gestaltungsgrundsatz „Einmischen“ entsprechend planen im Herbst 2004 in Berlin Jugendliche den Event „Berlin 2005“, eine Großveranstaltung für Jugendliche. Sie bereiten z.B. themen- und ergebnisorientierte Angebote (Open Space, Themen- und Qualifizierungsworkshops, Zukunfts-, Kreativ-HipHopwerkstätten, Radio-Camps) vor.

 

·         Die Großveranstaltung Berlin 2005 im Frühjahr 2005, zu der 10.000 junge Menschen erwartet werden, bildet einen Höhepunkt der Kampagne. Schon existierende Beteiligungsprojekte werden sichtbar gemacht, Projekte, die im Rahmen von Projekt P initiiert wurden, werden vorgestellt, die Macherinnen und Macher haben die Chance, sich untereinander zu vernetzen. Diskurse zwischen Jugendlichen und Politikerinnen/ Politikern bzw. Entscheiderinnen/ Entscheidern im Rahmen von Workshops, Foren, Chats, Speaker’s Corner werden initiiert. Ein politisches und kulturelles Rahmenprogramm runden das projektbezogene Programm ab. Die Kampagne ist so Plattform der Vielfalt und der Ergebnisorientierung von Beteiligung.

 

2.      Projekte im schulischen Umfeld

 

·         Beteiligung in der Schule neu proben. Mitgestaltung von Unterricht in enger Zusammenarbeit mit dem BLK-Projekt „Demokratie lernen“.

 

·         Eine Beteiligung von Jugendlichen an der Gestaltung von Ganztagsschulprojekten. Bisher konnten Kinder und Jugendliche sich nicht an der Gestaltung ihres zweiten, neben der Familie zentralen Lebensbereiches beteiligen. Die ist jedoch dringend notwendig.

 

3.      Arbeitsmethoden: Beteiligung braucht Qualifizierung

 

·         Qualifizierung von Jugendlichen, um Beteiligung effektiv zu organisieren. Dies beinhaltet auch Medienschulungen etc.

 

·         Qualifizierung von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern – vor allem Information über Jugendliche und ihre Beteiligungsrechte.

 

·         Entwicklung von Qualifizierungsbaukästen.

 

4.      Medienkampagne und kontinuierliches Benchmarking

 

·         Eine Medienkampagne unterstützt eine positive Besetzung von Beteiligung und Einmischung und sensibilisiert für das Bedürfnis der Jugendlichen, sich zu engagieren. Sie positioniert Jugendliche als echte Partner in Entscheidungsprozessen und sensibilisiert Erwachsene für die Potenziale der Beteiligung.

 

·         Kontinuierliches Monitoring und Benchmarking.

 

Zeitliche Planung

 

·         März 2004: Beginn „Come in Contract“

·         September 2004: Beauftragung einer Gruppe Jugendlicher, den Event „Berlin 2005“ vorzubereiten

·         Frühjahr 2005: Event „Berlin 2005“

·         Herbst 2005: Abschlußveranstaltung „Jugend und Parlament“.

 

[1] Bei einer Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen haben sich deren Mitgliedsstaaten 2002 verpflichtet, zur Umsetzung von Kinderrechten im Sinne der Kinderrechtskonvention nationale Aktionspläne zu erarbeiten. Vor diesem Hintergrund entsteht auch der NAP der Bundesregierung.